Die Weinstadt Retz liegt in einer sanften Hügellandschaft des westlichen Weinviertels, im nördlichen Niederösterreich. Von Wien aus leicht in einer Autostunde zu erreichen.
Die historische Stadt vermittelt südliches Flair und wird seit Jahrhunderten mit dem Weinbau verbunden. Dennoch bildet nicht etwa eine Weintraube oder ein Weinfaß ihr Wahrzeichen, sondern eine Windmühle.
Diese historische Getreidemühle steht weit hin sichtbar oberhalb der Stadt, am Ostabfall der Böhmischen Masse. Diese schmale Übergangszone, die sich als "Manhartsberg" von Znaim bis Krems zieht, präsentiert sich hier in einer besonders schönen landschaftlichen Ausformung. Inmitten diesem abwechselnd mit Weingärten und Inseln mit Trockenrasen bestehendem Landschaftsschutzgebietes steht die Retzer Windmühle.
Unmittelbar neben der Windmühle im früheren Müllerhaus befindet sich der Windmühlheurige, beides befindet sich seit 1833 im Besitz der Familie Bergmann. www.windmuehle.at
Die Stadt wurde im ausgehenden 13. Jhdt. am Kreuzungspunkt zweier mittelalterlicher Handelswege, im Norden Niederösterreichs, nur drei Kilometer von der Grenze mit Mähren entfernt, gegründet.
Retzer KellerDie Stadt wurde 1425 durch Hussiten (Taboriten) vollkommen eingeäschert. Die überbrachten Berichte sagen aus, daß die Hussiten die südliche Stadtmauer untergruben und so die Stadt eroberten. Das aber sagt uns, daß es zu diesem Zeitpunkt bereits so ausgedehnte Kelleranlagen unter der Stadt gab, die bis
in die Nähe der Stadtbefestigung reichten. Es muß somit damals schon einen weitreichenden Weinhandel gegeben haben.
Von Kaiser Friedrich III. hat die Stadt 1458 ein Privileg erhalten (Archiv der Stadt Retz), in dem es auszugsweise heißt: "Also was von Salcz Getrayd wein oder anderlay kaufmannschaft ... hin gen Recz ... gefurt wirdet das sollen die kaufmannschaft da niederlegen und verkauffen den Burgern .... oder andern die dann weiterhanndeln und wanndeln mugen nach Ihren notdurften .... " Somit war für die Stadt eine rechtliche Grundlage, eine privilegierte Basis auch für den Weinhandel gegeben.
Die Stadt, sie ist heute noch in der ursprünglichen Größe mit Stadtmauern erhalten, könnte damals etwa 500 bis 800 Einwohner gehabt haben, aber sicher weniger als 100 Bürger (Hausbesitzer). Und die hatten nunmehr das privilegierte Recht mit Wein zu handeln, den Wein zu kaufen und wieder zu verkaufen.
Aus der Erfahrung wußten die Retzer Bürger, daß gleichbleibende Temperatur im Keller den Wein zu jener Güte reifen ließ, die es gestattete, den Wein in die damalige weite Welt zu führen. Die Stadt Retz steht auf einer frühtertiären Meeresablagerung. Die Mächtigkeit des Sandes (Quarzsand) reicht bis 30 Meter. Die Anschwemmung stammt aus dem "Eggenburger Meer", das in der Frühperiode des Miozän (vor 20 bis 25 Millionen Jahren) sich über das südliche Europa bis zum Schwarzen Meer und zur Kaspischen See erstreckte. Die Ablagerung ist so fest, daß die Keller nur aus der Sandschicht herausgekratzt werden mußten. Der Sand läßt sich mit dem Finger abheben. Die Keller erreichten eine Tiefe bis zu 20 Metern. Viele der Keller wurden, vor allem im 19. und 20. Jahrhundert, mit Ziegeln ausgekleidet, das aber keineswegs aus Gründen der Festigkeit, sondern nur als Renommiergehabe. Man wollte zeigen, wie reich man als Retzer Weinhändler lebte. Viele der Keller unter der Stadt stehen heute noch im Originalzustand, so wie sie vor Jahrhunderten aus dem Sand gegraben wurden. www.weinstadt-retz.at